Erkältungen – Familienstellen

Familie

Familie

Unser Familiensystem hat einen einzigen, fundamentalen Zweck: Sich selbst aufrecht zu erhalten. Dafür „unternimmt“ es Einiges, und das ist nicht immer zum Guten aller Beteiligten.

Heute habe ich mir ein Beispiel ausgedacht, mit dem ich Sie anregen möchte, genauer hinzuschauen, wenn in der Familie immer wieder dieselbe Krankheit auftaucht, oder ein Kind immer wieder krank ist.

Die kleine Lisbeth ist ständig erkältet. Auch nach dem typischen ersten Kindergartenjahr hat sie immer wieder wochenlang Husten und Schnupfen. Besuche beim Arzt sind häufig, aber eine richtige Ursache konnte nicht festgestellt werden. Auch Allergietests bringen keine neue Erkenntnis.

Inzwischen dreht sich der Alltag vor allem um Lisbeth. Jede Woche gibt es Termine, morgens und abends muss die Kleine inhalieren, was zu viel Stress führt. Außerdem ist Lisbeth ist inzwischen in einem Waldkindergarten angemeldet, zu dem sie ihre Mutter jeden Tag eine halbe Stunde fährt, damit der Aufenthalt an der frischen Luft sie abhärtet – aber nichts hilft.

Erst als Lisbeths Mutter auf Drängen ihres Kinderarztes mit Lisbeth zu einer Psychologin geht, passiert etwas Entscheidendes: Als die Therapeutin Lisbeths Mutter nach dem Zustand ihrer Beziehung fragt, fließen Tränen.

Vater und Mutter leben inzwischen vor allem neben einanderher, auch weil die Versorgung von Lisbeth so viel Zeit und Kraft kostet. Aber eigentlich geht das schon länger, und Lisbeth’s Mutter ist traurig und verzweifelt, weil sie ihren Mann sehr liebt, aber kaum noch Zeit findet, ihre Beziehung zu leben.

Die nächsten Sitzungen finden ohne die kleine Tochter statt, aber gemeinsam mit dem Vater. Und allmählich finden die beiden Erwachsenen zu einer befriedigenden Partnerschaft zurück. Zu ihrem Erstaunen bessert sich gleichzeitig der Zustand von Lisbeth.

Was ist hier passiert?

Lisbeth war die Symptomträgerin in einem Familiensystem, in dem ein Bereich aus dem Gleichgewicht geraten war. Durch ihre Symptomatik wurde das Familiensystem stabilisiert, die Krise auf der Paarebene war vollkommen verdeckt. Natürlich war das keine Lösung – aber Familiensystem funktionieren eben nicht logisch.

Erst als die Paarebene endlich in den Blick gerückt wurde, und Lisbeths Eltern ihre Beziehung wieder mit Leben gefüllt haben, wurden Lisbeths Symptome nicht mehr gebraucht. Und so konnte die Kleine ihre ständigen Erkältungen ablegen.

Natürlich ist das wieder ein konstruierter Fall mit einem idealen Ausgang.

Aber es lohnt sich, die Familie einmal unter diesem Blickwinkel zu betrachten, wenn sich Krankheiten häufen. Läuft es in der Familie auf allen Ebenen gut? Befinden sich alle auf ihren Positionen in der familiären Ordnung? Gibt es Geheimnisse?

Familiensysteme sind unglaublich spannend und faszinierend. Und es lohnt sich, die Dynamik dahinter zu sehen und zu verstehen.

Dafür gibt’s jetzt ein paar Klopfsätze:

Auch wenn ich Familiensysteme fies und verwirrend finde, bin ich okay so wie ich bin, und ich erlaube mir jetzt, einfach zu beobachten was passiert und zu wissen, dass Symptomträger selten das echte Problem sind.

Auch wenn es irgendwie erschreckend ist, dass die Symptomträger in einem System vom echten Problem ablenken, um das System zu stabilisieren, bin ich okay so wie ich bin, und ich erlaube mir jetzt, genau hinzuschauen und zu sehen, wo dieses Muster läuft.

Auch wenn es so gemein ist, dass ein Familiensystem kleine Kinder benutzt, um sich zu stabilisieren, bin ich okay so wie ich bin, und ich erlaube mir jetzt, zu sehen wo das passiert, damit in meinem System keine Kinder leiden müssen.

Sie sind dran:
Wie geht es Ihnen mit der Vorstellung von Symptomträgern?
Wie fühlt es sich an, in der eigenen Familie Muster zu entdecken?
Was hat sich nach dem Klopfen geändert?
Was möchten Sie in Zukunft verändern?
Schreiben Sie einen Kommentar!

Bildquelle: F. Möbius

PS: Hier im Blog kann ich immer nur ganz allgemeine Themen besprechen und vorstellen. Wenn Sie aber bei einem tieferen Thema alleine nicht weiterkommen, dann schreiben Sie mir eine Email. Wir besprechen dann, wie ich Ihnen dabei helfen kann.

PPS: Im Newsletter finden Sie jeweils passend zum Blogthema eine ausformulierte Klopfrunde. Sie können sich über das Formular oben rechts dafür anmelden.
Falls Sie meinen Blog über Ihr Handy lesen und das Formular nicht sehen können, folgen Sie diesem Link: Anmelden für den Newsletter.

Über Frauke Möbius

Verschlungene Wege und "Zufälle" haben mich zu EFT gebracht. Das Klopfen und die Menschen, denen ich nach der Entdeckung von EFT begegnet bin, haben mein Leben verändert. Diese Veränderung war nötig, manchmal schmerzhaft, aber vor allem positiv. Sie dauert immer noch an, und das ist gut so. Vor diesem Hintergrund gebe ich EFT und all mein Wissen gerne weiter, denn ich bin überzeugt, dass sich viele Menschen verändern möchten. Vielleicht ist dies auch ein Weg, die Welt etwas friedlicher, freundlicher und wärmer zu machen. Ich höre gerne von Ihnen, wenn Sie Ähnliches empfinden.
Dieser Beitrag wurde unter Deutsch, Familienstellen abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.