Wenn die Familie mich nicht versteht

Oh, Mann

Oh, Mann!

Heute beginne ich mit einer persönlichen Erfahrung – die aber vermutlich recht typisch für diejenigen unter uns ist, die sich als erste in ihrer Familie selbständig machen. Also erzähle ich kurz, was passiert ist, und was ich dadurch gelernt habe.

Am Wochenende habe ich meine Familie besucht. Und ich habe von meinen Träumen und Visionen erzählt, von der Zukunft, die ich mir als internationaler EFT Coach ausmale und dass ich vorhabe, meinen Halbtagsjob aufzugeben. Es fühlte ich gut an, zu erklären, wie genau ich diesen Schritt plane, was die Voraussetzungen dafür sind und was für spannende Dinge ich lerne, um die wunderbare Vision eines anderen und schönen Lebens umzusetzen. Das wollte ich mit ihnen teilen, darunter auch den Traum, wieder in der Gegend zu leben, wo sie wohnen.

Sie hörten mir zu.

Und dann legten sie los und versuchten, mir das das Ganze wieder auszureden. Ich sollte doch lieber Englischlehrerin werden, ich wäre bestimmt gut darin. Es stimmt, ich habe das erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien. Und vor allen Dingen, sagten sie, wäre das wesentlich sicherer als diese Selbständigkeit als Coach. Als Lehrerin hätte ich doch ein geregeltes Einkommen und eine gute Pension.

Es gelang mir gerade noch, meine Enttäuschung einigermaßen im Griff zu halten. Natürlich hatte ich gehofft, Verständnis und vielleicht sogar Unterstützung zu finden. Stattdessen lief ich geradewegs gegen eine Betonwand aus Missverständnissen und gut gemeintem, aber völlig sinnlosen Rat. Offenbar war alles, was ich in den letzten sechs Jahren gelernt und erfahren hatte, gar nicht angekommen. Mein Wissen und Können als Coach wurde nicht gesehen – wahrscheinlich können sich meine Familienmitglieder das einfach nicht als Berufsbild vorstellen. Englischlehrerinnen dagegen kennen sie gut genug. Und so wurde mir ein Beruf empfohlen, gegen den ich mich schon vor zwanzig Jahren enschieden hatte.

Das ist übrigens eine geradezu klassische Situation:

In meiner Familie war man immer angestellt – oft als Lehrer, und das über mindestens die letzten zwei Generationen, wahrscheinlich mehr. Unter ihnen gibt es keine Geschäftsleute, und schon gar keine erfolgreichen. Und ganz unterschwellig lief noch ein Glaubenssatz mit: Mehr Geld zu haben, als man mit einem guten Job verdient, ist unanständig und gierig. Meine Visionen und Pläne überforderten ganz einfach ihr Weltbild.

Wie gehe ich, wie geht man als Geschäftsfrau nun damit um? Dazu noch als EFT-Practicioner und Coach? Zunächst einmal ist es hilfreich, ruhig zu bleiben und einen völlig sinnlosen Streit zu vermeiden. Und dann kann man sich bewusst machen, dass die meisten Menschen ihr eigenes Leben als Modell vor Augen haben und diese Erfahrungen und Erfolge ihren Lieben empfehlen, um ihnen zu helfen. Wir können uns entscheiden, die Liebe und Fürsorge in diesem Verhalten zu erkennen – und dann den Rat einfach ignorieren und unseren Weg gehen.

Und natürlich können wir klopfen:

 Auch wenn ich so enttäuscht bin, dass meine Familie mich nicht unterstützt, bin ich okay so wie ich bin und offen für die Möglichkeit, dass ihr Weltbild meine Vision einfach nicht zulässt.

Auch wenn ich mich so sehr nach ihrer Unterstützung gesehnt habe und sie nicht bekommen habe, bin ich okay so wie ich bin und offen für die Möglichkeit, dass ich mir diese Unterstützung eher von anderen Menschen holen kann, die meine Situation besser einschätzen können.

Auch wenn ich mich verraten und angegriffen gefühlt habe, als meine Zukunfsvision von meiner Familie abgelehnt wurde, bin ich okay so wie ich bin und offen für die Möglichkeit, dass sie aus Liebe und Fürsorge gehandelt haben, als sie mich so verletzt haben.

Haben Sie eine Vision, die von Ihrer Familie abgelehnt wurde? Und haben Sie sich von Ihrem Ziel abbringen lassen, oder sich durchgeboxt?

Bildquelle: F. Möbius

Über Frauke Möbius

Verschlungene Wege und "Zufälle" haben mich zu EFT gebracht. Das Klopfen und die Menschen, denen ich nach der Entdeckung von EFT begegnet bin, haben mein Leben verändert. Diese Veränderung war nötig, manchmal schmerzhaft, aber vor allem positiv. Sie dauert immer noch an, und das ist gut so. Vor diesem Hintergrund gebe ich EFT und all mein Wissen gerne weiter, denn ich bin überzeugt, dass sich viele Menschen verändern möchten. Vielleicht ist dies auch ein Weg, die Welt etwas friedlicher, freundlicher und wärmer zu machen. Ich höre gerne von Ihnen, wenn Sie Ähnliches empfinden.
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