Wer bin ich – groß oder klein?

groß oder klein

Groß oder klein?

Sind sie bereit für ein kleines Experiment? Dann lesen Sie diesen Satz einmal laut:

„Ich bin die Kleine, und du bist die Große.“
„Ich bin der Kleine und du bist der Große.“

Macht das etwas mit Ihnen?

Ruft das Widerstand hervor?

Kein Wunder.

Das ist ein Satz, der provoziert. Der oft Konflikte und massive Widersprüche hervorruft. Und der doch so viel Wahrheit beinhaltet und so viel Heilung bewirken kann.

Ich lasse oft Frauen diesen Satz sagen. Meistens liegen sie dabei auch noch auf den Knien. Und sie sagen den Satz zu ihrer Mutter.

Wie bitte?, höre ich sie jetzt mit großen Augen sagen.

Das hat meine Mutter überhaupt nicht verdient! Sie mir das Leben versaut! Sie hat mich nie genug geliebt, und jetzt soll ich so etwas sagen?

So fühlt es sich oft an.

Aber dieser Satz stellt die Familienordnung wieder her. Er hilft Ihnen, Ihren Platz wieder einzunehmen. Und das bringt sehr oft Frieden.

Wir leben in einem Land, das immer noch vom Weltkrieg geprägt ist. Unsere Großelterngeneration (für manche auch schon die Urgroßeltern) haben viel, manchmal alles verloren. Unsere Eltern, die Kinder dieser traumatisierten Menschen, haben daher häufig wenig Liebe erfahren. Wie auch, wenn deren Eltern sämtliche Gefühle verdrängen mussten, um überhaupt weiter leben zu können?

Häufig ist der Fluss der Liebe unterbrochen worden. Häufig waren Eltern energetisch schwach oder gar nicht anwesend.

Und in solchen Fällen übernehmen die Kinder. Sie tragen die Verantwortung. Sie drücken alle Liebe aus. Sie spüren jeden Schmerz und sind über alle Kräfte belastet. Sie nehmen den Platz der Eltern ein. Sie werden zu den Großen.

Und das ist zu viel.

Natürlich führt das zu Konflikten, zu Streit und zu Chaos. Die Kinder können nicht annehmen, was die Eltern sagen, denn die Eltern haben ja auf ihren Platz verzichtet, haben keine Authorität. Aber sie können auch nicht wirklich erwachsen werden, weil sie gar nicht richtig mit sich selbst verbunden sind.

Die Eltern fühlen sich untergebuttert und nicht respektiert – und haben keine Ahnung, dass sie selbst ihren Platz gar nicht ausfüllen. Dass sie sich energetisch wegducken. Und beklagen, dass ihre Kinder sie nicht lieben.

Der Satz „Ich bin die Kleine und du bist die Große“ wirkt wie ein riesiges Schwert, dass die ganzen ungesunden Verflechtungen davonfegt.

Er gibt die Verantwortung dahin zurück, wo sie hingehört – zu den Eltern. Die müssen gar nicht anwesend sein, der Satz wirkt auf der energetischen Ebene.

Sie selbst gehen damit zurück auf Ihren Platz als Kind. Sie können sich jetzt neu finden. Und Ihre Eltern bekommen den Raum, ihren Platz mehr einzunehmen.

Das System Familie kann sich neu sortieren. Sie selbst erfahren womöglich mehr innere Ruhe und Freiheit. Vielleicht löst sich auch viel Stress, wenn Sie sich nicht länger für das Glück Ihrer Elten verantwortlich fühlen. Vielleicht fühlen Sie sich endlich frei.

Und natürlich gibt es Klopfsätze, die es leichter machen, diesen Schritt zu gehen.

Auch wenn es eine Zumutung ist, diesen Satz zu sagen, ich will überhaupt nicht die Kleine sein, trotzdem bin ich okay so wie ich bin, und ich erlaube mir jetzt, genau hinzuspüren, was der Satz mit mir macht.

Auch wenn mich dieser Satz wütend macht, bin ich okay so wie ich bin, und ich erlaube mire jetzt, mich ganz auf die Position als Kind zurückzuziehen und zu spüren, wie sich das anfühlt.

Auch wenn ich mich nie genug geliebt gefühlt habe, und dieser Satz mich ganz traurig macht, weil ich das vermisse, bin ich okay so wie ich bin, und ich erlaube mir jetzt, mein inneres Kind in den Arm zu nehmen und gemeinsam wieder Kind zu sein.

Was macht dieser Satz mit Ihnen? Wie reagieren Sie darauf – und wie fühlt es sich an, den Platz als Kind einzunehmen? Schreiben Sie einen Kommentar!

Bildquelle: F. Möbius

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Über Frauke Möbius

Verschlungene Wege und "Zufälle" haben mich zu EFT gebracht. Das Klopfen und die Menschen, denen ich nach der Entdeckung von EFT begegnet bin, haben mein Leben verändert. Diese Veränderung war nötig, manchmal schmerzhaft, aber vor allem positiv. Sie dauert immer noch an, und das ist gut so. Vor diesem Hintergrund gebe ich EFT und all mein Wissen gerne weiter, denn ich bin überzeugt, dass sich viele Menschen verändern möchten. Vielleicht ist dies auch ein Weg, die Welt etwas friedlicher, freundlicher und wärmer zu machen. Ich höre gerne von Ihnen, wenn Sie Ähnliches empfinden.
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2 Kommentare zu Wer bin ich – groß oder klein?

  1. Elke Heyden-Dahlhaus sagt:

    Liebe Frauke Möbius, ich liebe Ihre Post und lese sie regelmäßig. Aber hier merkt man wohl doch die Gnade der späten Geburt.
    Ich selber bin Jahrgang 47, meine Eltern waren Jahrgang 12 und 8 und meine Großeltern sind noch vor dem deutsch-französischen Krieg 70/71 geboren.
    Ich gehöre also „nur“ zu den Jahrgängen, die noch den Hunger erlebt haben. Den Krieg glücklicherweise nicht mehr.
    Natürlich gab es Kinder, die früh die Verantwortung für kleinere Geschwister übernehmen mussten – so wie heute auch. Aber es gab Zucht und Ordnung und das wurde im wahrsten Sinne oft handgreiflich gezeigt, Jeder hatte seinen Platz in der Hierarchie .
    Probleme waren andere, als von Ihnen aufgezeigt.
    – Es gab die Mütter, deren Ehemänner tot oder verschollen waren und die damit nicht fertig wurden und sich an die Kinder klammerten – so wie heute auch.
    – Es gab die unehelichen Kinder und Bastarde von Besatzern. Die Einstellung zu ihnen ist heute nicht mehr vorstellbar.
    Aber es waren auch Freiheiten selbstverständlich, wie sie heute selten sind. Das Leben spielte sich draußen ab und in Gruppen. Man war aktiv und nicht alleine.

    Was schlimm war und sicher viele gezeichnet hat, ist diese verdammte Verlogenheit der Adenauerzeit. All das Schlimme, dass in den letzten Jahren passiert war und an denen die Meisten teilgenommen bzw. dazu geschwiegen hatten, wurde tot geschwiegen. Es wurde nicht gefragt und nichts erzählt.
    Andererseits wurde weiter mit Heldentaten im Feindesland geprahlt, die Russen waren – ich kann es nur so bezeichnen – Untermenschen, von denen ich fast glaubte, dass sie kleine Kinder essen und wusste, dass sie Uhren stahlen.
    Ausdrücke wie „bei Adolf hätte es das nicht gegeben“, „man sollte euch alle vergasen“ waren an der Tagesordnung und wurden von allen Umstehenden beklatscht. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass vielleicht einmal einer z.B. gesagt hätte, vielleicht hätte man dich auch vergasen sollen.
    Es gab tief verwurzelte Trauma und hoffentlich auch Schuldgefühl, aber es wurde nicht darüber gesprochen. Auch nicht über den Widerstand. Vielleicht mal über Bombennächte und Trecks. Da will man als Kind doch eine Anwort auf die Frage „warum“? Aber es wurde nicht gefragt.
    Diejenigen, die vorher etwas zu sagen hatten, hatten weiter das Sagen und waren sich keiner Schuld bewusst. Falls so etwas möglich war.
    Man war prüde, christlich, verklemmt und davon überzeugt, dass man der Mittelpunkt der Welt war, weiß, um das Wohlbefinden des Ehemanns besorgt und nahm das richtige Waschmittel. Und die Rollen waren klar verteilt. Zuerst kam der Vater, dann die Mutter und irgendwann die Kinder.
    Eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit fand nicht statt. Man hatte andere Dinge zu tun. Es gab noch kein Fernsehen, Radio und Printmedien waren nicht daran interessiert, sich mit dem Thema Vergangenheitsbewältigung beschäftigten.

    Liebe Grüße Eure Elke Heyden-Dahlhaus

    • Liebe Frau Heyden-Dahlhaus,
      das waren sicherlich schlimme Zeiten, auch für die Kinder, die kurz nach 1945 geboren wurden. Und dieses Anklammern an alte, und zum Teil eindeutig falsche und überkommene Vorstellungen, wie die Welt war und zu sein hat, ist eine typische Reaktion von traumatisierten Menschen. Es gibt ein Gefühl von Sicherheit, eine Stabilität im Chaos. Hinterfragen wäre viel zu gefährlich gewesen, es hätte den Schutzpanzer verletzen können, der um jegliche Gefühle gelegt worden war.

      Es ist kein Zufall, dass wir in Deutschland erst wirklich begonnen haben, diese Zeit aufzuarbeiten nachdem die meisten Akteure gestorben waren, als die Fragen der damaligen Kinder stärker wurden als die Abwehr der Eltern. Und warum haben wir wohl ein so umfangreiches Sozialsystem? Dahinter steht eine riesige Angst, wieder alles zu verlieren und hungern zu müssen. Auch das wird erst jetzt umgebaut, wo Politiker eine anderen Generation am Ruder sind.

      Ich denke aber auch, dass gerade in dieser Zeit viele Kinder energetisch und emotional den Platz der Eltern eingenommen haben: für den verschwundenen, gefallenen, traumatisierten oder in Kriegsgefangenschaft befindlichen Vater. Für die geflohene und traumatisierte Mutter. Man hat nur nie darüber gesprochen, weil es zu schmerzhaft war. Es war besser „normal“, „muss ja“, „gibt Schlimmeres“ und „stell dich nicht so an“. Nach Außen waren die Rollen sicherlich klar verteilt: Vater verdient Geld, Mutter macht das Zuhause, und die Kinder sind fein still – so wurde es nach außen gelebt. Ich gehe jede Wette ein, dass es nach innen häufig ganz anders aussah.

      Was außerdem kaum jemand weiß oder bedenkt: Die Traumata werden durch die Familien weiter vererbt. Das energetische Chaos beeinflusst massiv die nächste Generation. Deswegen gibt es jetzt so ein Interesse an den „Kriegskindern“ und den „Kriegsenkeln“. Eine neue Generation möchte endlich dieses Chaos sortieren und auflösen. Ich glaube, das ist gut so.

      Liebe Grüße
      Frauke Möbius

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