Familienregeln – Wann darf man Geld verdienen?

Teilzeitarbeit

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Ich kann es gar nicht oft genug betonen: Diese Familienregeln werden praktisch nie offen ausgesprochen. Sie wabern im Unterbewusstsein herum, und haben auf diese Weise Einfluss auf unsere Entscheidungen – ohne dass wir wirklich wissen, warum wir uns wie entscheiden.

Man kann sie aber aufspüren, indem man sich die eigene Familie im weiteren Sinne anschaut und nach Mustern forscht.

Und es gibt Regeln, die weit verbreitet sind und in unserer Gesellschaft tief verwurzelt sind. Gerade konservative Parteien vertreten sie oft in ihren Ideologien, und dann sind sie leicht aufzuspüren.

Eine der Regeln lautet (und sie lässt sich statistisch wunderbar aufzeigen: Frauen arbeiten zu 47% in Teilzeit, Männer zu 9%), dass Frauen möglichst weniger arbeiten sollen als ihre Männer. Sie dürfen „dazuverdienen“, aber nicht das Haupteinkommen hereinbringen. Und sie sollen ihre Ehemänner nicht überflügeln.

Ich möchte dazu eine Geschichte erzählen:

Es ist lange her, aber ich hatte damals eine spannende Idee für eine Doktorarbeit, die zwei ungewöhnliche Fächer verbinden sollte. Und so fühlte ich bei einem Professor vor, ob er denn vielleicht gewillt sei, mich zu betreuen.

Er fand die Idee durchaus interessant, aber er hatte dennoch Bedenken: Ob es denn meine Ehe aushalten würde, wenn ich einen höheren Abschluss als mein Mann erreichen würde.

Ich gebe zu, ich war völlig perplex.

In dieser Geschichte sind gesellschaftliche Regeln aufgetaucht, wie sie auch in vielen Familien üblich sind – wahrscheinlich auch in der meines damaligen Professors: Frauen dürfen weder besser ausgebildet sein als ihre Männer, noch dürfen sie mehr verdienen, sonst leidet die Ehe darunter.

Insbesondere Müttern wird es übelgenommen, wenn sie Vollzeit arbeiten und sich dann nicht „wie vorgesehen“ um ihre Kinder kümmern. In anderen Ländern ist das übrigens ganz anders.

Hier bei uns gilt aber häufig genug folgende Regel:

Frauen sollen – wenn überhaupt – dann nur in Teilzeit arbeiten.

Und natürlich auch nicht nachts, oder in Schichten, oder sonst in ungewöhnlichen oder körperlich anstrengenden Berufen. Ausnahmen sind dabei Krankenschwestern oder Hebammen – zwei sehr weibliche Berufe, und sehr anstrengend. (Und unsere Gesellschaft ist gerade dabei, die Hebammen zu verdrängen, aber das ist eine ganz andere Geschichte.)

Am besten sollen Frauen vormittags im Büro oder als Verkäuferin gepflegt ein wenig arbeiten bzw. dazuverdienen, und sich ansonsten um Haushalt und Kinder kümmern. Und den Männern den Rücken frei halten. Sagte ich etwas über konservative Parteien?

Anders herum bedeutet das aber auch:

Männer müssen Vollzeit arbeiten, auch wenn sie gar nicht wollen.

Ich erinnere mich an eine Familie in der weiteren Verwandschaft, in der beide Partner halbtags gearbeitet haben (auf volle Tage verteilt, mit Babysitter für einen Tag in der Woche), damit sich beide gleichermaßen um die Kinder kümmern konnten. Viele fanden das sehr merkwürdig – weil es gegen Familienregeln verstößt, auch wenn es irgendwie eine ganz logische Lösung ist.

Und diese Regel ist auch einfach nicht gut für Männer, die damit in Positionen gedrängt werden, die sie vielleicht gar nicht mögen. Es könnte ja auch für Männer ein wunderbares Erlebnis sein, sich um die eigenen Kinder zu kümmern und eine gute Beziehung zu ihnen aufzubauen.

Vielleicht möchten auch Männer und Frauen weniger arbeiten und stattdessen Zeit für wichtige Dinge im Leben haben…

Familienregeln sind überall.

Leider ist es ziemlich wahrscheinlich, dass derartige Regeln auch in Ihrer Familie herumgeistern.

Und es ist gut möglich, dass auch Sie sich daran halten, ganz unbewusst und nur aus einem gewissen Gefühl heraus, so sei es richtig.

Schauen Sie sich ihr Leben an. Finden Sie derartige Familienregeln wieder?

Und sind Sie zufrieden?

Wirklich zufrieden?

Wenn Sie sich etwas andere wünschen, und sich damit gut fühlen wollen, dann wird es Zeit, die Familienregel umzuschreiben. Vermutlich wissen Sie schon, worauf das hinausläuft:

Auch wenn ich gelernt habe, dass Frauen weniger arbeiten sollen und dafür mehr im Haushalt tun sollen, während Männer voll und ganz arbeiten müssen, bin ich okay so wie ich bin, und ich erlaube mir jetzt, diese Regel umzuschreiben – so dass Männer und Frauen gleichberechtig sind.

Auch wenn es da vielleicht eine Familienregel gibt, die Frauen vorschreibt, möglichst in Teilzeit zu arbeiten, während Männer Vollzeit arbeiten müssen, bin ich völlig okay so wie ich bin, und ich entscheide jetzt, diese Familienregel an das 21. Jahrhundert anzupassen.

Auch wenn ich mich selbst an diese Regel gehalten habe, mir aber jetzt etwas anderes wünsche, bin ich okay so wie ich bin, und ich passe diese Familienregel jetzt endlich an unser modernes, gleichberechtigtes Zusammenleben an!

Sie sind dran:
Arbeiten Sie in Teilzeit?
Möchten Sie gerne mehr arbeiten?
Was hat sich nach dem Klopfen geändert?
Was wäre Ihr Traumberuf?
Ich lade Sie ein, einen Kommentar zu schreiben.

Bildquelle: F. Möbius

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Über Frauke Möbius

Verschlungene Wege und "Zufälle" haben mich zu EFT gebracht. Das Klopfen und die Menschen, denen ich nach der Entdeckung von EFT begegnet bin, haben mein Leben verändert. Diese Veränderung war nötig, manchmal schmerzhaft, aber vor allem positiv. Sie dauert immer noch an, und das ist gut so. Vor diesem Hintergrund gebe ich EFT und all mein Wissen gerne weiter, denn ich bin überzeugt, dass sich viele Menschen verändern möchten. Vielleicht ist dies auch ein Weg, die Welt etwas friedlicher, freundlicher und wärmer zu machen. Ich höre gerne von Ihnen, wenn Sie Ähnliches empfinden.
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