Blockierende Treue

Familie

Familie *

Wir alle leben in Familiensystemen. Wir werden in eine Familie hineingeboren und wachsen dort auf. Dort lernen wir die Regeln unserer Familiensystems, auch wenn sie möglicherweise niemals ausgesprochen werden. Und da Kinder kaum einen Vergleich haben, nehmen sie alles von den Eltern an und halten es für richtig. Wenn wir dann erwachsen werden und unsere eigenen Familien gründen, nehmen wir diese Regeln mit.

Solange wir in der Herkunftsfamilie leben, ist das Beachten der geltenden Regeln für Kinder überlebenswichtig. Für ein Kind ist die Gefahr, aus der Familie ausgestoßen zu werden, viel zu groß, als dass sie gegen derart wichtige Regeln verstoßen würden. Ohne Familie droht kleinen Kindern der Tod. Daher sind diese Regeln oft tief verinnerlicht. Nun kann es aber sein, dass derartige Regeln im späteren Leben hinderlich sind. Dann wird es Zeit, sie aufzuspüren und zu verändern.

Eine solche Regel kommt mir immer wieder unter, ich kenne sie inzwischen aus vielen Familiensystemen:

Ich muss mitleiden, wenn es einem Familienmitglied schlecht geht, sonst gehöre ich nicht dazu.

Dieses Mitleiden kann viele Formen annehmen. Die Symptome können gespiegelt werden, manchmal bekommen Familienmitglieder Migräne, Depressionen oder andere Probleme. Alternativ gehört das Sorgenmachen in diesen Kreis. Das Mitleiden ist ein Zeichen tiefer Loyalität und Liebe – es ist also nicht von vorneherein zu verdammen.

Wichtig ist zunächst, sich diese Regel bewusst zu machen. Wie fühlt es sich an, sich hübsch zu machen, gut zu essen und ausreichend zu schlafen, selbst wenn ein Familienmitglied im Krankenhaus liegt? Ist das okay, oder einfach unmöglich? Wie sieht es mit einer Party aus? Dürfen Sie sich mit Freunden treffen, wenn Ihre Mutter gerade eine Chemotherapie macht? Oder dürfen Sie dann in Urlaub fahren und die freie Zeit genießen? Unvorstellbar?

Wie gesagt, diese Regel ist weit verbreitet. Leider sorgt sie für viele Probleme. Wir brauchen nämlich Auszeiten und müssen uns gut um uns selbst kümmern, um Kraft für unsere kranken Familienmitglieder zu haben. Unserer Tanks müssen voll sein, damit wir für andere da sein können. Wenn wir statt mit zu fühlen einer alten Familienregel folgen und mit leiden, dann schwächen wir uns selbst und die Familie. Klingt logisch, nicht wahr? Dummerweise lassen sich derartige Familienregeln selten über den Verstand verändern.

Ja, Sie kennen den Satz schon: Zum Glück gibt es EFT. Und das stimmt auch in diesem Fall wieder ganz besonders. Ich möchte Ihnen eine Klopfrunde zu dem Thema anbieten, damit es Ihnen leichter fällt, in Ihrer Stärke zu bleiben.

HK: Auch wenn ich damals gelernt habe, dass ich mitleiden muss, um dazuzugehören, bin ich okay sowie ich bin und offen für die Möglichkeit, dass ich meine Liebe auch anders zeigen darf.

Auch wenn meine Eltern das immer so gemacht haben, und fürchterlich mitgelitten haben, wenn der andere krank war, und ich das übernommen habe, bin ich okay so wie ich bin und kann mir erlauben, auch anders zu reagieren.

Auch wenn es mir total schwerfällt, mich gut um mich zu kümmern, wenn es jemandem schlecht geht, den ich liebe, bin ich okay so wie ich bin und offen für die Möglichkeit, dass ich mich gut um mich kümmern muss, um mich gut um andere kümmern zu können.

AI: Das war bei uns so üblich.
AA: Wenn es einem schlecht ging, ging es allen schlecht.
UA: Wie bei den Musketieren. Einer für alle, alle für einen.
UN: Und so habe ich das gelernt. So muss es doch richtig sein, wenn alle das machen.
KP: Meine Mutter konnte das prima, und mein Vater auch.
SB: Wir haben das immer so gemacht!
UA: Mir geht es heute noch schlecht, wenn es jemandem schlecht geht, den ich liebe.
HG: Das gehört sich einfach so!
Durchatmen!

AI: So habe ich es gelernt, und so mache ich es bis heute.
AA: Aber irgendwie ist es auch doof, oder?
UA: Ich könnte viel mehr helfen, wenn es mir nicht sauschlecht ginge.
UN: Und vielleicht kann ich Mitleiden in Mitfühlen umwandeln.
KP: Ohne Leiden.
SB: Aber mit Liebe.
UA: Mit ganz viel Liebe.
HG: Und viel mehr Kraft.
Durchatmen!

AI: Ich kann mich entscheiden:
AA: Ich mache das ab sofort anders, und gehöre trotzdem noch dazu.
UA: Ich bleibe jetzt stark für den anderen, und das mit Liebe.
UN: Ich gehöre dazu, auch wenn ich stark bleibe.
KP: Und ich erlaube mir jetzt, stark zu bleiben.
SB: Und statt mitzuleiden, endlich richtig etwas tun zu können
UA: für die Person, die ich liebe.
HG: Ich entscheide mich, stark zu sein und trotzdem dazuzugehören!
Durchatmen!

AI: Ich erlaube mir das und ich entscheide mich dafür:
AA: Wenn andere leiden, bleibe ich stark, damit ich besser helfen kann.
UA: Klingt ja auch irgendwie logisch.
UN: Ich erlaube mir jetzt, gut zu essen, auch wenn es jemandem schlecht geht.
KP: Ich erlaube mir jetzt, mich gut um mich zu kümmern, auch wenn es jemandem schlecht geht.
SB: Und ich erlaube mir, mich dann auch gut um alle zu kümmern.
UA: Da klingt einfach viel logischer! Und ich gehöre trotzdem dazu!
HG: In tiefer Liebe. Und das fühlt sich gut an!
Durchatmen!

Wenn man so will, ist das Starkbleiben eine viel besser Form, Liebe und Unterstützung zu zeigen, als das klagende Mitleiden. Ich hoffe, Sie kommen ein bisschen auf den Weg dahin, wenn dieser Beitrag zu Ihnen passt.

Alles Gute!

*Bildquelle: Author: Trondkaare88, Original bei Wikimedia Commons

Über Frauke Möbius

Verschlungene Wege und „Zufälle“ haben mich zu EFT gebracht. Das Klopfen und die Menschen, denen ich nach der Entdeckung von EFT begegnet bin, haben mein Leben verändert. Diese Veränderung war nötig, manchmal schmerzhaft, aber vor allem positiv. Sie dauert immer noch an, und das ist gut so.

Vor diesem Hintergrund gebe ich EFT und all mein Wissen gerne weiter, denn ich bin überzeugt, dass sich viele Menschen verändern möchten. Vielleicht ist dies auch ein Weg, die Welt etwas friedlicher, freundlicher und wärmer zu machen.

Ich höre gerne von Ihnen, wenn Sie Ähnliches empfinden.

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